Artikel
    Veröffentlicht: 01.09.2019
    Von HANS-JÜRGEN BREMER

    „Möwen haben Seeschwalben auf Mellum verdrängt“


    Der Wittmunder Hans-Jürgen Bremer berichtet von einem nachhaltigen Tag auf der Vogelinsel
    Unendliche Weite und einen uneingeschränkten Blick auf die Natur erlebten Hans-Jürgen und Carola Bremer bei einem Besuch auf Mellum.  ©HANS JÜRGEN BREMER
    Unendliche Weite und einen uneingeschränkten Blick auf die Natur erlebten Hans-Jürgen und Carola Bremer bei einem Besuch auf Mellum.  ©HANS JÜRGEN BREMER
    WITTMUND/MELLUM
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    Am 30. April wurde der Polizeidirektor Hans-Jürgen Bremer (Foto) als Leiter der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund in den Ruhestand verabschiedet. Seitdem genießt der 62-jährige Wittmunder seine gewonnene freie Zeit, in der er allerhand unternimmt. Jetzt schrieb er unserer Zeitung eine Geschichte über einen besonderen Inselbesuch:


    Als begeisterter Hobby-Ornithologe mit einer Ostfrieslandaffinität habe ich zur Pensionierung für meine Frau Carola und mich eine Exkursion zur Vogelinsel Mellum geschenkt bekommen. Selbstverständlich kenne ich Memmert, Mellum und Minsener Oog als Inseln vor unserer Küste – aber nur als „Vogelinseln“.


    Da alle Inseln im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegen, war mir nicht bekannt, dass außer den Vogelwarten jemand die Insel betreten darf. Exkursionen werden bis zu fünfmal jährlich durch den Mellumrat, eine 1925 zum Schutz von Mellum eingerichtete Naturschutz- und Forschungsgemeinschaft mit Sitz in Varel, ausgerichtet.


    Um 9 Uhr ging es ab Hooksiel Hafen mit der „Wega II“ mit 60 naturinteressierten Mitfahrern auf See. Mit einführenden Worten über die Besonderheiten der Insel, ihre Entstehung und Geschichte fuhren wir bei ablaufendem Wasser 90 Minuten durch das Wattenmeer, kreuzten so lange vor Mellum, bis das Schiff eine inselnahe Stelle zum Trockenfallen gefunden hatte. Mellum hat keinen Anleger mehr, wie es ihn während des 2. Weltkrieges gab, als die Insel Flakstation war. Auch auf der Insel sind die zerstörten Überreste aus dem Krieg noch gut erkennbar.


    Mit einem Schlauchboot wurden jeweils bis zu zehn Personen auf eine Sandbank, auf der nur noch kniehoch das Nordseewasser stand, „ausgebootet“. Die letzten 1,5 Kilometer zur Insel waren zu Fuß zu absolvieren. Mit fachkundigen und sehr interessanten Erläuterungen durch zwei Mitglieder des Mellumrates wurden zwei Gruppen – eine durch die Salzwiesen, eine auf direktem Weg durchs Watt – zum „Eingang“ der Insel begleitet.


    Mellum ist heute vornehmlich von Möwen besiedelt. Die Möwen haben Seeschwalben, die in den Jahren der ersten Erkundung der Insel in der Überzahl waren, verdrängt. Die Vögel sind während des Niedrigwassers, zu dem die Exkursionen wegen des Trockenfallens stattfinden muss, überwiegend im Wattenmeer auf Suche nach Nahrung. Möwen und Austernfischer, die eigentlich Wurm- oder Muschelfischer heißen müssten, beherrschen das Bild.


    Auf Mellum führten uns unsere Begleiter zur Vogelschutzstation. Die Vogelwarte auf Mellum sind vorwiegend Studenten, die dort ein Praktikum absolvieren. Derzeit ist eine Studentin aus Greifswald des Studienganges „Biodiversität“ für zwei Monate auf Mellum. Die Plätze scheinen rar und beliebt, denn nur bis zu drei Personen können sich auf der Insel gleichzeitig als Vogelwarte aufhalten. Sie zählen und beobachten Flora und Fauna, erstellen Statistiken sowie Langzeitstudien.


    Gegen eine Spende hatten sie Kaffee, Tee und Kuchen für uns vorbereitet. Neben fachkundigen Erläuterungen durften die Teilnehmer durch Spektive gucken, was den Besuch zu einem wunderschönen Erlebnis machte.


    Doch bei aller Schönheit der Natur – die Ergebnisse einer Müllsammelaktion an den Stränden von Mellum war ernüchternd. Auf dieser nahezu von Menschen unbewohnten Insel wurden säckeweise angeschwemmtes Strandgut – vornehmlich Plastik – gesammelt. Die Säcke standen zum Abtransport bereit. Das sei auf den bewohnten Ostfriesischen Inseln nicht anders. „Dort fällt es wegen der ständigen Reinigung nur nicht auf“, sagte einer der Begleiter.


    Mit dem auflaufenden Wasser musste der Besuch auf Mellum enden. Der Rückreise mit der „Wega II“ hielt mit der Sichtung von zwei Schweinswalen noch eine nicht geplante Überraschung bereit.


    Gestärkt mit einer an Bord vorbereiteten Erbsensuppe erreichten wir gegen 17.30 Uhr wieder den Hafen Hooksiel. Ein spannender, aber auch anstrengender Tag im Nationalpark ging zu Ende. Was bleibt sind viele Eindrücke, die uns nachhaltig begleiten werden.