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    Veröffentlicht: 06.12.2018
    AH

    In German Valley wird Plattdeutsch gesprochen


    Reisende festigten Freundschaften und verwandtschaftliche Beziehungen zu Amerika-Ostfriesen
    Mary Schmidt und Herman Luhring erzählten auf Plattdeutsch von der Lebensgeschichte ihrer Eltern an deren Grab auf dem Friedhof in Grundy Center.   ©GÜNTER PETERS
    Mary Schmidt und Herman Luhring erzählten auf Plattdeutsch von der Lebensgeschichte ihrer Eltern an deren Grab auf dem Friedhof in Grundy Center.   ©GÜNTER PETERS
    WIESEDE
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    Die Teilnehmer der Rundreise „Routes to the roots“ durch den Mittleren Westen Amerikas trafen sich in der Gaststätte Bender in Wiesede, um sich über die Erlebnisse und Eindrücke der Begegnungen mit den Amerika-Ostfriesen in Iowa, Missouri und Illinois auszutauschen.


    Der Initiator der Rundreise, Günter Peters, begrüßte auf der Zusammenkunft 50 Teilnehmer und Gäste sowie den Reiseleiter Dr. Wolfgang Grams (Reisebüro „Routes to the roots“, Oldenburg). In seiner Präsentation mit vielen Fotos und Berichten über die Erlebnisse in German Valley, Grundy Center, Monticello und Flatville wuchs der Wunsch, im nächsten Jahr eine ähnliche Rundreise zu planen.


    Dr. Wolfgang Grams konnte bereits konkrete Pläne für die erste Hälfte September oder Oktober 2019 vorstellen. „Dann soll neben Iowa, Illinois auch der Bundesstaat Nebraska mit einbezogen werden. Auch dort gibt es Orte, wo die Ostfriesen sesshaft wurden und zu denen heute noch viele verwandtschaftliche Beziehungen und freundschaftliche Kontakte bestehen“, sagte Grams.


    In seiner Präsentation ging Peters auf die Schauplätze amerikanischer Geschichte ein. Die erste Begegnung mit den Amerika-Ostfriesen war in der kleinen ostfriesische Siedlung German Valley. Sie wurde im Frühjahr 1847 von den Einwanderern aus den Gebieten um Leer, aus der Krummhörn und dem Rheiderland gegründet. „Dort waren wir überrascht, dass noch so viele ältere Menschen Plattdeutsch sprechen“, sagte Günter Peters.


    Besonders beeindruckend war auch die Begegnung mit Mary Schmidt und Herman Luhring in Grundy Center. Auf dem Friedhof am Grab ihrer Eltern trugen sie auf Plattdeutsch die überlieferte Lebensgeschichte ihrer Eltern, Renko und Henrietta Mammen Schmidt, vor. Die Familie wanderte aus Gödens 1878 aus. Damals war Iowa noch wildes Prärieland, heute ist es fruchtbares Farmland mit unendlichen Mais- und Sojafeldern.


    In der Kleinstadt Wellsburg beeindruckte die öffentliche Bücherei, wo alle ostfriesischen Orts-Sippenbücher aufbewahrt werden. Die nächste Station war Monticello, wo sich fast vor 150 Jahren fast nur Familien aus dem Südkreis Wittmund angesiedelt haben. Steve Hanken hatte für die Gäste aus Ostfriesland ein großartiges zweitägiges Programm vorbereitet, sagt Günter Peters von der Ländlichen Erwachsenenbildung.


    Zur ersten Begegnung waren hundert Menschen gekommen. Nach zwei Tagen ging es in Etappen weiter entlang des Mississippi zum Dorf Golden. Das Wahrzeichen der Ostfriesen ist dort eine Kopie der Windmühle, wie sie heute noch in Felde bei Aurich steht. Sie wurde von Henry Emminga aus Felde 1866 aufgebaut.


    Der nächste Stopp war die friesischen Siedlung Flatville, wo viele Nachfahren der Ostfriesen aus dem Raum Aurich leben. Der herzliche Empfang in der prächtigen „Kathedrale im Kornfeld“ war rührend. Die Wiedersehensfreude und Gespräche machten den Abschied schwer, sagt Günter Peters.


    Das Fazit der Rundreise war eindeutig: Unvergessliche Erlebnisse, Auffrischung verwandtschaftlicher Beziehungen, neue Freundschaften, der Stolz der Menschen auf die Pionierleistungen ihrer Vorfahren und auf ihre alte ostfriesische Heimat. Wer Interesse an einer Exkursion 2019 hat, kann sie schon vormerken. Details sind im Büro „Routes to the roots“ von Dr. Wolfgang Grams unter Wolfgang.grams@routes.de zu erfahren.