Artikel
    Veröffentlicht: 10.09.2019
    IME

    In Funnix ist der Sternenhimmel noch schöner


    Ralph Thater stammt aus Köln – Seit 15 Jahren lebt die Familie in dem kleinen Dorf bei Wittmund
    Ralph Thater fühlt sich in Funnix wohl. Seit 15 Jahren lebt die Familie in dem kleinen Ort.   ©INGA MENNEN
    Ralph Thater fühlt sich in Funnix wohl. Seit 15 Jahren lebt die Familie in dem kleinen Ort.   ©INGA MENNEN
    FUNNIX
     – 

    „Ohne Auto ist man hier aufgeschmissen, aber die Lebensqualität ist sehr hoch.“ Voll des Lobes ist Familie Thater über das Leben auf dem Land. Seit 15 Jahren wohnt sie in Funnix im ehemaligen Gemeindehaus. Dabei war es eine Umstellung für Ralph Thater, der seit seiner Kindheit in Köln gewohnt hatte.


    Der Liebe wegen hat es den heute 52-Jährigen nach Ostfriesland verschlagen. Seine Frau Ela (48 Jahre) hatte er in Köln kennengelernt, sie stammt aber eigentlich aus Hohenkirchen. „Ich bin dann zu Ralph gezogen, aber das Heimweh wurde immer größer“, berichtet die gelernte Arzthelferin. Schließlich hat ihr Mann ihr versprochen, nach seinem Architekturstudium geht die Familie an die Nordsee zurück. „Das war aber leichter gesagt als getan. Wir suchten ein Haus, das groß genug ist für alle und in dem wir auch das Büro noch integrieren konnten“, erinnert sich der Architekt.


    In Funnix wurden die beiden fündig, wenngleich es nicht Liebe auf den ersten Blick war mit der Immobilie, die gänzlich für die Bedürfnisse der Thaters umgebaut werden musste. Heute bereut das Ehepaar keinen einzigen Schritt, für den es sich vor 15 Jahren entschieden hat. Nicht nur die Kinder Linda (25), Nick (18) und Jim (16) fühlen sich in dem kleinen Ort trotz einiger Abstriche, die vor allem auch die Jugendlichen machen müssen, wohl. Auch die Eltern von Ralph Thater, Evi und Manfred, sind aus Köln mit nach Ostfriesland gezogen und leben hier jetzt schon elf Jahre.


    Acht Monate dauerte der Aus- und Umbau des Hauses. „Am 17. Dezember 2004 habe ich das erste Mal hier übernachtet“, erinnert sich Ela Thater. Nachdem auch ihr Mann Ralph alle Zelte in Köln abgebrochen hatte, kam er einen Tag vor Heiligabend vor 15 Jahren in Funnix an. Schnell integrierte sich die Familie, denn bereits nach Silvester lud sie die engsten Nachbarn zu einem kleinen Umtrunk ein. „Die Funnixer waren froh, dass das Haus wieder bewohnt war“, erinnert sich Ralph Thater. Und schnell fand die Familie auch Anschluss in dem Dorf, in dem nur 65 Häuser stehen.


    „Die Nachbarskinder kamen sofort vorbei und holten unsere Kinder zum Spielen ab“, sagt Ela Thater und lächelt. Denn sie wusste immer genau, wo ihre Tochter und die Söhne waren – hinter dem Haus auf dem großen Spielplatz. Wenn um 18 Uhr die Glocke läutete, wussten sie, dass es Zeit war nach Hause zu gehen. „Noch heute bestimmt die Glocke den Tag: 8 Uhr Arbeitsbeginn, 18 Uhr Feierabend“, erklärt Ralph Thater, der als Architekt nicht darauf angewiesen ist, in einer Großstadt zu arbeiten. Von Funnix aus betreut er viele Bauvorhaben – unter anderem auch für die Kommunen im Landkreis.


    Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. „Ich organisiere mich heute viel besser bei den Einkäufen“, gibt Ela Thater, die für eine Arbeitsmedizinerin im Homeoffice tätig ist, zu. Schnell musste sie nämlich erkennen, dass es mächtig umständlich ist, für das vergessene Soßenpulver noch einmal extra sieben Kilometer zum Supermarkt zu fahren. „Dafür hilft man sich hier auch untereinander. Da kommt schon mal der Nachbar und fragt nach Zucker oder Mehl“, sagt sie. Denn eine Nahversorgung gibt es in Funnix eben so wenig wie einen öffentlichen Nahverkehr. Zwar steht vor dem Haus der Familie eine Bushaltestelle, die ist aber für die Schüler. Die Kinder gingen in Carolinensiel in den Kindergarten und in die Grundschule, danach besuchten sie die weiterführende Kooperative Gesamtschule in Wittmund.


    „Um die Sonntagsbrötchen zu holen, muss immer einer fahren“, ergänzt Linda Thater, die Architektur studiert hat und nun ihren Master in energieoptimiertem Bauen absolviert. Auch eine Kneipe gibt es in dem Dorf nicht – oder wie es Ralph Thater mit einem Lachen sagt: „Die Diskothekendichte ist in Funnix sehr gering.“ Stattdessen sorgen der Schützenverein und die Dorfgemeinschaft dafür, dass in Funnix keine Langeweile aufkommt.


    Jeder Bewohner, mittlerweile gibt es viele Zugezogene in der Wittmunder Ortschaft, entscheidet natürlich selbst, inwieweit er die Angebote annehmen möchte. Neben dem jährlichen Schützenfest gibt es Frühschoppen, Fahrradtouren, Osterfeuer, Maibaumaufstellen oder ein Beisammensein in der Adventszeit. Mit der Geschlechtertrennung wie bei den Männergeburtstagsrunden hat Ela Thater kein Problem und auf Ralph nehmen die Einheimischen gern Rücksicht. „Sie reden mit mir ein leichtes Platt oder gleich Hochdeutsch“, sagt der Wahl-Ostfriese.


    Schlechte Schwingungen, wenn die Familie mal nicht an Aktivitäten teilnehmen kann, gebe es nicht, betont Ralph Thater. Die Bewohner hätten Verständnis dafür, wenn die Arbeit mal vorgehe. Doch die Thaters beteiligen sich zu gern wie etwa beim Funnixer Schützenfest. Ihre Umtrunkstation am Sonntag vor dem Umzug ist fester Anlaufpunkt für alle Frauen und Männer, die mitmarschieren. „Ich bin sehr schnell Mitglied bei den Schützen geworden. Unterschrieben habe ich auf einem Bierdeckel“, sagt der 52-Jährige und lacht. Neben den Schützen und der Dorfgemeinschaft hat Funnix aber auch eine lebendige Kirchengemeinde zu bieten.


    Sie gehört zu Carolinensiel und so gibt es jeden Winter auch den lebendigen Adventskalender im Dorf. „Immer eine schöne Gelegenheit, mit den Leuten auch in der dunklen Jahreszeit ins Gespräch zu kommen“, sagt Ela Thater. Nicht nur ihre Schwiegereltern, die mit im Haus wohnen, leben in Funnix, auch ihre Mutter Ilona ist in den kleinen Ort gezogen, sodass die Familie fast komplett zusammen ist.


    Immobilien, die in Funnix frei werden, sind nicht lange auf dem Markt, weiß Ralph Thater. Begehrt sind die Objekte vor allem bei Auswärtigen, die das Landleben und die Abgeschiedenheit zu schätzen wissen. Eines aber ist der Familie nach wie vor ein Dorn im Auge – das Internet, auf das alle dringend angewiesen sind, läuft zu langsam. Ob und wann Funnix an das schnelle Netz angeschlossen wird, wissen Thaters nicht.


    „Wir fühlen uns hier einfach rundherum wohl“, sagt Ela Thater, die noch eines hinzufügt: „Ich kann mich daran erinnern, wie ich im Winter vor 15 Jahren zum ersten Mal den Sternenhimmel über Funnix gesehen habe und ich schwöre, hier ist er noch viel viel schöner als woanders in Deutschland.“ Eine schönere Liebeserklärung für das Leben auf dem Land kann es wohl nicht geben.